Bearbeitet von Dieter Alfer, pensionierter Mitarbeiter der SFB- Hochfrequenztechnik       Historie der Sendestation Scholzplatz
mast3.jpg (18197 Byte)      Sendemast 
   Scholzplatz

 

 


rifu.jpg (13132 Byte)   Richtfunkverbindung Funkhaus-Scholzplatz
(1963)

 

 

Antmont2.jpeg.jpeg (16959 Byte)

Montage der DAB-Antennen in
185m Höhe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unmittelbar nach dem Mauerbau in Berlin begannen  im Spätsommer des Jahres 1961 die Planungen für eine provisorische Sendestation des SFB am Scholzplatz. Im September des gleichen Jahres wurde der Auftrag für einen Stahlrohrmast erteilt. Der endgültige Standort hinter dem britischen Soldatenfriedhof wurde Ende 1961 festgelegt und von der alliierten Kommandantur genehmigt  Die Genehmigung war vorläufig, da zu dieser Zeit die "Fernsehturm- GmbH" einen Sende-  und Aussichtsturm im Norden Berlins plante. Deshalb wurde die Konstruktion des Sendergebäudes so konzipiert, daß das Gebäude bei einer eventuellen Standortverlegung  leicht demontiert werden konnte.
1962/63: Im Winter  1962 erreicht der Sendemast seine endgültige Höhe von 230 m und im Frühjahr 1963 werden die UKW- und Fernseh-Sendeantennen von der Fa. Siemens montiert.

           Mastaufbau.jpg (23027 Byte)
                          Montage des ersten Mastsegmentes auf dem Mastfuß

Noch während des Innenausbaus des Betriebsgebäudes beginnt der Aufbau eines neuen Siemens-10 kW-Fernsehsenders. Die Inbetriebnahme erfolgt am 15.05.1963 durch den WDR-Intendanten  v. Bismarck. (Der Westdeutsche Rundfunk hatte die Finanzierung des Sendemastes übernommen.)

                Siemens63.jpg (17310 Byte)
                        Siemens 10 kW-Fernsehsender, Baujahr 1963

1963:
In den Monaten Mai bis Juli  werden nacheinander der bisherige Fernseh-Betriebssender und die UKW-Sender für die Hörfunkprogramme SFB 1 bis SFB 3 von der Sendestation Witzleben zum Scholzplatz umgesetzt. Ende Juli sind die UKW-Sender wieder in Betrieb und im September ist auch der umgesetzte Fernsehsender aus dem Jahre 1958 als passive Reserve betriebsbereit.
Zur Funkausstellung am 30.August 1963 wird der stereofonische Rundfunk als Regeldienst beim SFB eingeführt. In den folgenden Jahren werden auch die anderen deutschen UKW- Rundfunksender schrittweise auf Stereo umgerüstet.

                 Siemens1954.jpg (19232 Byte)
                   Siemens 10 kW-Fernsehsender, Baujahr 1958 (bis 1973 Reservesender)

                  UKW1.jpg (15576 Byte)
                    Siemens 10-kW-UKW-Sender, Baujahr 1954, modernisiert 1962
                  (links ein 300-W-Sender und rechts ein 3-kW-Sender von   Telefunken)
         

1965
Die Vorstufen der UKW-Sender werden teilweise erneuert und mit Stereo- Codern ausgerüstet. Der älteste Siemens- UKW- Sender erhält 1967 eine neue 10 kW- Endstufe von Telefunken.

1967:
Im Rahmen der 25. Großen Deutschen Funk-Ausstellung wird am 25. August 1967 das Farbfernsehen in der Bundesrepublik Deutschland offiziell von Willy Brandt gestartet.

Willy Brandt auf der IFA 1967
Die SFB-Ingenieure mussten vor dem Start des Farbfernsehens umfangreiche Änderungen an den beiden Fernsehsendern und der zugehörigen Videoaufbereitung vornehmen, um eine einwandfreie Übertragung des Farbsignals zu ermöglichen.

 

1972:
Die UKW-Sender 1 bis 3 werden durch 10-kW- Doppelsender, mit passiver Reserve, der Fa. SEL (Berlin) ersetzt. Ein weiterer 10-kW- Sender wird als übergeordnete Reserve installiert. Die neuen Sender sind bis auf die 10-kW-Endstufe voll  transistorisiert. Die neuen UKW- Sender und die geplante Installation eines 10-kW- Fernseh- Doppelsenders machen die Erneuerung der Niederspannungsanlage erforderlich. 


                          20-kW- Fernseh- Doppelsender der Fa. SEL


Mitte August 1972 wird dann der neue 10(20)-kW- Fernseh- Doppelsender der Fa. SEL (Berlin) aufgebaut und zur IFA 1973 in Betrieb genommen. Dieser  Sender arbeitet mit aktiver Endstufenreserve, d.h., der Ausfall einer Endstufe verursacht keine Betriebsunterbrechung, es kommt nur zu einer Leistungshalbierung. Diese unterbrechungsfreie Umschaltung wird mit einem neuartigen 'Variokoppler' erreicht.
Er besteht  aus einer Anordnung von zwei 3-dB-Richtkopplern, einer Leitung mit variabler elektrischer Länge und einem Lastwiderstand. Der Vario-Koppler bewirkt die Parallelschaltung beider Einzelsender in aktiver Reserve. Fällt ein Sender aus, gelangt die Leistung des noch in Betrieb befindlichen Halbsenders, wie bei einer herkömmlichen Brückenschaltung, je zur Hälfte an die Antenne und den Lastwiderstand. Anschließend  wird die Schiebeleitung in ihrer Länge automatisch so verändert, dass die gesamte Leistung des intakten Halbsenders zur Antenne gelangt und der Absorber unbelastet wird. Das geschieht ohne Unterbrechung.
Die Firma Spinner hat den Vario-Koppler übrigens noch immer im Programm, allerdings nur für den UHF-Bereich. Er ist für die Zusammenschaltung von maximal 2x15 kW ausgelegt.

Der aus dem Jahre 1958  stammende Siemens-Fernsehsender wird demontiert und verschrottet.

    Lorukw.jpg (17745 Byte)      SEL_UKW.jpg (22661 Byte)
             3 UKW-10-kW-Doppelsender SEL (1972)                                  Detailansicht eines 
                                                                                                                 Doppelsenders
   

1973:
Seit Dezember 1966  wird von der alten Sendestation Witzleben mit 1-kW-ERP das Gastarbeiterprogramm, auf der Frequenz 98,2 MHz, abgestrahlt. Der Sender war dort noch bis 1973 in Betrieb. Ab September 1973 wird auch dieses Programm  von der Sendestation Scholzplatz abgestrahlt. Zwei bisher als Vorstufen benutzte 1-kW-Telefunken-Sender werden zu einem 1-kW-Doppelsender mit passiver Reserve umgebaut.

1976:
werden die Senderanlagen an eine Prozessrechnergesteuerte Fernwirk-
anlage mit Zentralrechner im Funkhaus und Unterstationsrechnern an den beiden Sendestationen Scholzplatz und Stallupöner Allee angeschlossen.
Die Überwachung der Sendestationen erfolgt von diesem Zeitpunkt an durch Personal in den Schalträumen für Hörfunk und Fernsehen im Haus des Rundfunks, bzw. im Fernsehzentrum. Der Schichtdienst an den Sendestationen wird abgeschafft, das Wartungspersonal auf 4 Ingenieure und Techniker verringert.

1978:
Aus dem Restbestand der Fa. SEL, die die Senderfertigung in Berlin einstellte, wird  sehr preiswert ein dem neuesten Stand der Technik entsprechender  5-kW-Fernsehsender gekauft, dessen Leistung auf 8-kW erhöht werden konnte und den Siemens-Fernsehsender aus dem Jahre 1963 ersetzt.

                  SEL_FS2a.jpg (16442 Byte)
                    Fernsehsender SEL mit gemeinsamer Bild-/Tonendstufe 8-kW

1979:
Der erste  volltransistorisierte UKW-Sender wird von der Fa. Rhode & Schwarz (München) für die Frequenz 98,2 MHz in Betrieb genommen.

1981:
Zur Internationalen Funkausstellung (IFA)   werden erste Stereo/Zweitonsendungen im Fernsehen nach dem 2-Träger-Verfahren des Instituts für Rundfunktechnik ausgestrahlt. Die Bild- und Tonvorstufen des SEL-Doppelsenders werden hierfür, da eine Nachrüstung nicht möglich ist, durch moderne Vorstufen der Fa. Rhode & Schwarz ersetzt.

1984:
Erneuerung der aus dem Jahre 1963 stammenden Antennen und des Antennentragwerkes. Die Antennen liefert die Fa. Rhode & Schwarz.

1987:
Präsentation des Radiodatensystem RDS auf der IFA , wozu die UKW-Sender mit neuen RDS-Codern ausgerüstet werden.

1989:
Inbetriebnahme einer 4fach-UKW-Weiche (Fa. Kathrein) und einer N+1-Umschaltsteuerung für den UKW-Reservebetrieb.

1990:
Inbetriebnahme einer neuen UKW-Doppelsenderanlage für die Frequenz
98,2 MHz.
Das Sendergebäude wird restauriert, Fassade, Fenster und Türen erneuert.

1991/92:
Installation von Antennen für die Mobilfunkdienste C, D1 und D2 am Sendemast, unterhalb der ersten Plattform.

1993:
Erneuerung der 18 Jahre alten Fernwirkanlage für die Sendestationen Scholzplatz und Stallupöner Allee. Es wird ein Produkt der Fa. IDS-Karlsruhe, das auf die Bedürfnisse des SFB zugeschnitten wird, installiert. Eine gedoppelte Leitstelle mit 4 Arbeitsplätzen im Funkhaus und je eine Unterstation in den Sendestationen bietet eine individuelle, graphische Darstellung der angeschlossenen Anlagen. Die Bedienung wird durch Benutzerführung stark vereinfacht.

        

1994:
Erneuerung des 20 Jahre alten SEL-Fernsehsenders (Kanal 7). Aufbau und Inbetriebnahme des modernsten 2x10-kW-Solidstate- Doppelsenders durch die Fa. Rhode & Schwarz. Die Anlage ist volltransistorisiert und das modulare Leistungsstufenkonzept ergibt eine hohe Betriebssicherheit. Gleichzeitig wird das VF- Signalführungskonzept modernisiert und ein Teil der TV- Messtechnik erneuert.
Erstmals wird eine Anbindung an die Fernwirkanlage über BITBUS verwirklicht.

                     FS2Harald1a.jpg (16826 Byte)
                                20-kW-Fernsehsender Kanal 7 (1994)

Im August 1994:
Beginn des Pilotversuchs
DGPS (Differencial- Global- Positioning- System) in Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung (SenBauWohn). Die DGPS-Daten werden im RDS-Datensatz des UKW-Senders 88,8 MHz im Programm Stadtradio 88,8 abgestrahlt und werden zur exakten Positionsermittlung in Fahrzeugen (öffentlicher Nahverkehr, Stadtreinigung etc.) benutzt.

1995:
Im August Inbetriebnahme der Frequenz 93,1 MHz für das ORB/SFB-Programm INFORADIO über einen volltransistorisierten 5-kW-UKW- Sender der Fa. Telefunken.
Zur IFA 1995 ist der Start des SFB-DAB (Digital-Audio-Bradcasting)- Versuchsbetriebes auf dem zugewiesenen Kanal 8C. Hierzu konnte der alte TV-Combined-Sender der Fa. SEL umgebaut werden und eine 4-Felder-DAB-Antenne am Sendemast in 178m Höhe  installiert werden.

1996: Erneuerung der 20 Jahre alten 10-kW-UKW- SEL- Doppelsender für die Frequenzen 88,8 MHz, 92,4 MHz, 93,1 MHz und 96,3 MHz durch 10-kW- Solidstate- Sender in N+1 Reserve der Fa. Telefunken (Berlin). Die Sender werden über BITBUS an die rechnergesteuerte Fernwirkanlage angeschlossen. Mit diesem Konzept steht für 4 UKW-Sender nur ein Reservesender zur Verfügung. Wegen der sehr hohen Betriebssicherheit der transistorisierten Sender ist dies zu verantworten.

            N1a1.jpg (22424 Byte)
                  4+1-UKW-Sendeanlage sowie 3-kW- und 1,5-kW Sender (1996)

Mit der Erneuerung der gesamten Sendertechnik und im Jahre 1999 der Niederspannungsversorgung, ist wohl letztmalig in analoge Sendertechnik investiert worden. Mit dem 1998 in Betrieb gegangenen DAB-Sender und dem 1999 installierten DVBT-Sender hat die digitale Sendertechnik Einzug gehalten.

Im Jahre 2003 werden die analogen Fernsehsender in Berlin abgeschaltet und seitdem wird nur noch digitales Fernsehen über Antenne abgestrahlt.

                        Scholzplatz.jpg (13499 Byte)
                     
    Luftaufnahme der Sendestation Scholzplatz

      zuletzt bearbeitet am 06.10.15 von Dieter Alfer